1. Dezember 2012: Interview mit Susanne Stoppelbein vom Wiesbadener Kurier

Die Taunussteiner Nachbarschaftshilfe gilt kreisweit als Vorzeigeprojekt. Dreieinhalb Jahre nach ihrer Gründung ist sie inzwischen ein wesentliches Standbein in der Hilfe für ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Der Taunussteiner Kurt Bischof gehört zu den Initiatoren der Nachbarschaftshilfe und ist seit Mai 2012 deren Vorsitzender.

 

Herr Bischof, was hat Sie bewogen, den Vereinsvorsitz zusätzlich zu Ihren übrigen Ehrenämtern zu übernehmen? 

Es hat mich die Erkenntnis bewogen, nach einem arbeitsreichen Leben mich auch einmal um etwas zu kümmern, was nicht mit Gewinnermittlung zu tun hat, sondern einfach etwas zu tun, was anderen Menschen hilft. 

Was sind die Kernbotschaften der Nachbarschaftshilfe? 

Wir wollen, dass Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in ihrem Zuhause führen können. Wir wollen schnell und unbürokratisch helfen, und wir wollen einerseits die Mobilität älterer Menschen erhöhen, andererseits aber auch bei den aktiven Menschen die Bereitschaft zu bürgerschaftlichem Engagement wecken. 

Gibt es Schwerpunkte? 

Das Einsatzgebiet zieht sich über ganz Taunusstein. Die Schwerpunkte unserer Tätigkeit sind Gesellschaft leisten, Fahrten zu Ärzten, zum Einkaufen oder auch mal zum Friseur. Es geht mal darum, ein Haustier zu hüten, mal bei Behördengängen behilflich zu sein. Wir machen kleinere Reparaturarbeiten, auch mal Rasen mähen, auch mal Schnee räumen. Viele kleinere Aktivitäten, die für ältere Menschen sehr hilfreich sind, wenn wir sie erledigen können. 

Wie kommen sie mit Helfern und Hilfsbedürftigen in Kontakt? 

Anlaufstelle ist unser Büroteam. Vor einem ersten Einsatz gehen wir auf Hilfsbedürftige zu, machen uns ein Bild von deren häuslichem Umfeld und suchen dann nach dem passenden Helfer. Wer sich als Helfer anbietet, wird von uns zu einem Gespräch eingeladen. Unsere Aktiven sind zwischen 55 und 89 Jahre alt, bei denen, die Hilfe in Anspruch nehmen, liegt die Spanne zwischen 48 und 101 Jahren. Zu Beginn haben wir eine Hemmschwelle gespürt. Dadurch, dass sich unsere Leistung herumspricht, auch dadurch, dass wir versuchen, an diese Menschen heranzukommen, ist dies weitestgehend überwunden. Dieses Jahr waren wir bereits 1700 Mal im Einsatz, daran sehen Sie, wie stark unsere Hilfe angenommen wird. 

Auch bei 700 Mitgliedern sind zwölf Euro Jahresbeitrag ja nicht allzu üppig. Wie kommen Sie finanziell über die Runden, zumal ja Mitte des Jahres die Anschubfinanzierung des Rheingau-Taunus-Kreises ausgelaufen ist? 

Die Beiträge reichen alleine nicht aus. Wir kommen zukünftig nur noch zurecht, indem wir Spenden einsammeln können von Personen und Firmen, die unsere Arbeit unterstützen. Wir brauchen diese Spenden, um unsere Arbeit fortsetzen zu können, und wir hoffen, dass wir sie auch erhalten. 

Stichwort demographischer Wandel: Vermutlich wird die Zahl derer, die Unterstützung der Nachbarschaftshilfe brauchen, in den kommenden Jahren noch steigen. Wie sind Sie für die Zukunft aufgestellt? 

Wir haben die demografische Entwicklung unserer Stadt klar im Blickfeld. Wir wissen, dass die Alterung der Menschen sehr stark zunehmen wird und wir wollen uns dieser Entwicklung stellen. Wir haben drei Gruppen von Mitgliedern: Einerseits die Menschen, die bereit sind, aktiv Zeit zur Verfügung zu stellen, wir haben Hilfebedürftige und wir haben Menschen, die uns ausschließlich finanziell unterstützen. Wir haben darauf geachtet, auch junge Leute für unsere Arbeit zu gewinnen, das ist unsere Ressource für die Zukunft. Wir glauben, dass wir mit dem Image, das wir inzwischen in dieser Stadt erworben haben, auf einer guten breiten Basis stehen. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Nachbarschaftshilfe? 

Ich wünsche mir, dass wir alle Menschen erreichen, die Hilfe brauchen, und ich wünsche mir, dass die Menschen, denen wir helfen, die guten Erfahrungen, die sie machen, weitererzählen, und damit die Grundlage schaffen, dass wir unsere Arbeit fortsetzen können. Denn nur, wenn diejenigen, denen wir geholfen haben, gut über uns sprechen, dann haben wir auch die Chance, finanzielle Beiträge zu erhalten, die wir für unsere Arbeit brauchen. Ich wünsche mir sehr, dass diese Nachbarschaftshilfe weiter auf Erfolgskurs bleibt und will gemeinsam mit meinen Kollegen im Büroteam und im Vorstand dazu beitragen.

 

Interview mit Kurt Bischof von der Nachbarschaftshilfe Taunusstein

 

Das Interview, das Kurier-Redakteurin Susanne Stoppelbein kürzlich mit dem Vorsitzenden der Taunussteiner Nachbarschaftshilfe, Kurt Bischof, geführt hat, wurde für die neue DVD des Vereins aufgezeichnet. Im herbstlichen Garten des katholischen Gemeindezentrums in Wehen waren dafür Fernsehprofis am Werk: die Taunussteiner Frank Tilk (Kamera) und Wilfried Heyse (Kamera und Schnitt).

 

Go to top